Kultur - von elementaren Lebensinhalten bis zu unsinnigen Experimenten

Kultur umfasst alles Gestaltende der Menschen, wie etwa in Bildung, Kunst, Forschung, Wirtschaft,  ebenso in Religion, Brauchtum, Recht und Moral. Im Gleichschritt mit Wohlstand, Zeitgeist und gesellschaftlichem Wandel haben sich im Verlauf der letzten Jahre Ausprägungen entwickelt, die zu denken geben.


Waren es früher zur Hauptsache die Vereine, die mit wenigen Mitteln, aber umso mehr eigener Motivation und Initiative bunte Jahresprogramme für die ganze Bevölkerung boten, nimmt heute die professionelle und institutionelle Kulturszene überhand, verbunden mit enormen finanziellen Folgen für alle Stufen der öffentlichen Hand (Bund, Kanton, Gemeinden). Das Subsidiaritätsprinzip ist längst durch eine gierige Anspruchshaltung sogenannter Kultur- und Kunstförderer verdrängt worden.

 

So gibt die Stadt Rapperswil-Jona heute rund 1,5 Millionen Franken für Kulturförderung aus. Keine Frage, ein gewisses Engagement für „geistige Nahrung“ ist durchaus am Platz. Aber man darf sich schon mit Fug und Recht fragen, ob die doch beträchtlichen Steuermittel stets mit Mass und Ziel eingesetzt werden.

 

Als erstes Beispiel sei das Kunstzeughaus erwähnt: Millionenschwere Bauinvestitionen, Hundertausende pro Jahr für den Betrieb mit bisher sehr mässigem bis lausigem Erfolg. Die bereits laufende Kritik soll zu besseren Resultaten führen, so wird es mindestens versprochen. Allein uns fehlt der Glaube: Dass sich die Kanonenschmiede von ehedem mit dem neuen Kerngeschäft von zeitgenössischer Kunst zu einem kulturellen Renner mausern wird, ist höchst fraglich. Denn: Der Markt bestimmt das erfolgreiche Angebot. Das bisherige Angebot scheint nicht sehr viele Träger zu finden. Marktgerechte Inhalte müssen hier aufs Tapet. Dazu gehört auch, dass neue Möglichkeiten für die Durchführung verschiedenster kultureller Veranstaltungen geschaffen werden – was auch immer Kultur ist.

 

Aber Rapperswil betreibt noch weitere Kulturtempel, bei denen unseres Erachtens zwischen Aufwand und Wirkung schlechte Relationen bestehen: Das Schloss ist nach wie vor eine kulturelle Baustelle, gleich eingeschlossen das Polenmuseum. Bereits jetzt wird am Umbau zum „Kulturschloss“ gearbeitet. Man hofft, dass daraus keine gesellschaftliche Ruine wird.

 

Das baulich sonderbare Zirkusmuseum beim Seehafen harrt einer Lösung. Mal schauen, was aus dem kostspielig-protzigen neuen Stadtmuseum am Herrenberg wird; der erste gute Eindruck muss sich noch bestätigen.

 

Dass die Stadt sehr viel Geld für zugekaufte Programme im Stadtsaal ausgibt, ist bekannt. Wenn mit privater Animation vielfältige kulturelle Angebote geschaffen werden, ist im Interesse einer möglichst breit gefächerten Kulturszene eine verhältnisgerechte Beteiligung der Stadt zu bejahen. Mit geeigneten Steuerungsmassnahmen kann die Stadt aber auch dafür sorgen, dass es nicht zu einer Übersättigung im Angebot kommt.

 

Infrastrukturell sind wir „Weltmeister“ im Verschönern und Vergrössern, doch inhaltlich verpasst man mit grosser Regelmässigkeit, den Zeitnerv der verschiedenen Zielgruppen zu treffen. Zugegeben: Es wird immer schwieriger aufgrund des Überangebots reüssieren zu können. Genau deshalb ist es wichtig, die Zielrichtung „Kultur“ in einem detaillierten, nachvollziehbaren Weg zu beschreiben.


Wir sind deshalb der Auffassung, die Stadt müsste ein Inventar über bestehende eigene und private kulturelle Institutionen erstellen. Die mit öffentlichen Geldern gestützten und die privat getragenen Kulturanlässe sollten in eine Gesamtschau eingebunden und präsentiert werden.

 

Der Lead für diese Gesamtschau sollte bei Zürichsee Tourismus und dem Verkehrsverein liegen, welche auch die Geschichten dazu erzählen können. Damit im ganzjährigen Programm keine Überschneidungen vorkommen und Übersättigungen vermieden werden, müsste eine Selektion durch entsprechende Beschränkung der finanziellen Beteiligungen stattfinden. Diese Beschränkung soll aber für alle Projekte gelten – nicht nur für die privaten Projekte, sondern auch für öffentliche Projekte wie z.B. das Kunst(Zeug)haus.

 

Fürs Erste interesssiert uns, in welche Kanäle die jährlichen 1,5 Millionen Steuerfranken der Stadt im Detail fliessen. Eine gute städtische Kommunikation wäre auch in dieser Sache hilfreich. Bis anhin wurden wir seitens der Kulturleitung immer bloss auf das Kulturleitbild verwiesen.

 

Die E-Mail Kommunikation mit der Kulturleiterin brach ähnlich wie die Besucherzahlen im Kunst(zeug)haus ein, als folgende Fragen gestellt wurden.
Was ist Kultur im Sinne des Leitbildes?
Welche qualitativen Kriterien sprechen für eine Unterstützung?  
Welches sind die Zielgruppen?
Wie sieht das Kulturkonzept aus?

 

Zeugt das von professioneller Kunst im Stadthaus?

 

FOX, Oliver Bühler, 04. Juli 2012

 

Artikel als PDF

FOX
Forum xunde Menscheverstand
Sachpolitik RJ
Partei Rapperswil-Jona
wirtschaftsförderung Rapperswil-Jona
Stadtrat Rapperswil Jona
Stadtrats-Kandidat Rapperswil Jona
Stadtrats Kandidat Rapperswil Jona
poltische Themen
Vernunft